Besser
eine Handvoll mit Ruhe
als zwei Fäuste voll mit Mühe
und Haschen nach Wind.
Prediger 4,6
Monatsspruch September 2026
Ein Beitrag von Julia FiedlerWas darf’s sein?Eine Handvoll oder zwei Fäuste?
Ich kenne beides. Die stille Sehnsucht nach der Handvoll Ruhe genauso wie diesen beharrlichen, Hände ballenden Schaffensdrang. Du musst noch! Doch wie viel mühevolles Müssen führt am Ende zum Ziel und wo hätte ich mit mehr Ruhe mehr erreicht? Welche Dosis passt für mein Leben?
Eine Handvoll ist ein nützlicher Richtwert, wenn es um eine einfache Aufgabe geht, wie viel Nahrung wir zu uns nehmen sollten. Eine Handvoll Obst am Tag, eine Handvoll Gemüse zu jeder Mahlzeit, eine Handvoll Nüsse am Abend. Eine Handvoll passt immer, ist die individuell auf jede Körpergröße abgestimmte Maßeinheit. Für niemanden zu viel oder zu wenig.
Wenn eine Handvoll als verlässliche Mengenangabe für’s leibliche Wohl taugt, könnte eine Handvoll Ruhe doch auch für unser seelisches Gleichgewicht das Idealmaß sein. Die Einheit, die Gott uns praktisch auf den Leib geschneidert hat.
Eine Handvoll Ruhe hilft, dass ich auf dem Minigolfplatz bei der Bahn mit dem Vulkan nicht vor Wut den Schläger ins Gras pfeffere, sondern durchatme und feststelle: Halb so wild.
Eine Handvoll Ruhe sorgt dafür, dass ich die ungeplante Wartezeit am Bahnhof, in der Arztpraxis oder an der Supermarktkasse zwar immer noch lästig finde, aber so nervenstabil bleibe, zu erkennen, da hängt mein Leben nicht von ab. Vielleicht ergibt sich beim Warten ja sogar ein nettes Gespräch, mache ich eine interessante Beobachtung oder höre mir mal wieder selbst zu.
Eine Handvoll Ruhe brauche ich, um eine Angelegenheit, bei der partout nichts so läuft, wie ich es will, innerlich ein paar Meter von der Leine zu lassen.
Eine Handvoll Ruhe reicht, um wieder klar denken zu können, mögliche Lösungen für Ungelöstes zu finden und mich wieder zu spüren.
Eine Handvoll Ruhe ist nötig, um überhaupt wahrnehmen zu können, dass Gott noch da ist. Und die Welt, wie sie erschaffen wurde, wahnsinnig schön ist.
Eine Handvoll Ruhe ist genug, um zwei feste Fäuste zu lockern und zu sehen, wie aus all meiner krampfhaft festgehaltenen Mühe nichts wird als Luft. Häwal, ein nullgewichtiger Windhauch, in Sekundenschnelle verweht.
Eine Handvoll Ruhe lässt mich noch nicht komplett stillstehen. Sie verhindert, dass ich bei meiner Suche nach Ruhe vergesse, dass Leben auch heißt, in Bewegung zu sein, ich durchaus Pläne für mein Leben haben darf. Abersie bewahrt mich davor, mich für irdische Luftgespinste zu verausgaben.
Eine Handvoll Ruhe lässt mich innehalten und abwägen, ob ich wirklich das ganz große Vorhaben will oder ob die kleine B-Variante nicht schon lange mein heimlicher Favorit ist.
Eine Handvoll Ruhe erinnert mich daran, immer häufiger mal meine zu Fäusten geballten Hände zu öffnen, sie umzudrehen und es für einen Moment Gott zu überlassen, sie neu zu füllen.
entnommen aus:
„Ein Weggeleit“ 2026 der männerarbeit – im
Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW