Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.

Monatsspruch Mai 2017
Kolosser 4,6

 

Es ist schon nicht so einfach, eine freundliche Rede zu führen, wenn gerade etwas schief gegangen ist. Sich zu ärgern und sauer zu reagieren fällt da leichter. Überhaupt reden wir ja eher über das, was uns stört oder andere falsch gemacht haben. Und wir wissen es nicht nur besser, sondern betrachten unser Tun als „vorbildhaft“ und richtig. Gerade über unser Umfeld, Bekanntenkreis, Beziehungsgeflechte lässt sich herrlich „ablästern“. Erst recht über das erweiterte Umfeld: Arbeitskollegen, Chefetage, Nachbarn, Feinde...

Kein Wunder, wenn dann unsere Stimmung getrübt ist, unsere Beziehungen gelähmt, unsere Bekanntschaften wechselhaft sind und sich eine Disharmonie ausbreitet. So wird also die Aufforderung des Paulus an die Christen in Kolosser 4,6 zu einer echten Ermunterung und gar nicht zu einer Zumutung: allezeit–freundlich–reden!?

Eine freundliche Rede kommt aus einem freundlichen Gemüt. Freundliche Worte erwecken freundliche Gedanken. Allezeit freundlich reden, bezwingt das Schwere, Leidvolle oder auch Unerledigte.

Dabei kann – ja muss sogar – freundliches Reden bei der „Wahrheit bleiben“. Ungeheuchelt, echt sein, nicht schleimig.
Manchmal gelingt mir das – vielleicht – aber allezeit?!
Also immer - oder immer öfter – fast immer und immer wieder!
Die Steigerung dieser Ermutigung ist nun der Schluss des Satzes: mit Salz gewürzt. Darüber muss Man(n) und Frau erst mal nachdenken.

Jemandem „die Suppe versalzen“ ist auch hier das Erste, was mir einfällt. Aber Paulus meint sicher das Gegenteil. Salz war eine Kostbarkeit (genannt: das weiße Gold). Unser Reden kann also etwas Kostbares sein und werden. Als Prediger wünscht er sich das: Etwas Gutes soll in den Zuhörern entstehen, Heilvolles, positive Wirkung. Schmecken soll es auch. Salz gibt guten Geschmack, Würze, ein Mhmm und ein Aaaah: „Das schmeckt gut...“.

Vieles, wenn nicht alles hängt hier an der Dosierung. Die Menge macht den guten Geschmack oder die Übelkeit. Es ist also durchaus eine Frage des guten Geschmacks, freundlich oder wie es bei Luther heißt: lieblich zu reden. Liebevolle Worte zu suchen und auszusprechen und damit dem Leben Würze, Geschmack zu verleihen. Mit Salz gewürzt heißt sicher dann auch: die faulen Ausreden im Manuskript zu streichen. Denn Salz wirkt sehr gut gegen Fäulnis, macht haltbar.

In diesem Sinne lade ich dich/Sie herzlich ein. In unseren Gottesdiensten und Begegnungen wollen wir allzeit freundlich und geschmackvoll miteinander reden und so unser Vorbild Jesus Christus nachahmen.

Ihr/euer Volker Sturm

 

 

 

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier; er ist auferstanden.

Lukas 24, 5+6

 Der Arzt Lukas, der dieses Evangelium recherchiert und verfasst hat, berichtet sehr zurückhaltend von jener Frauengruppe, die als Hauptzeugen von Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu auftreten. In Kap. 23, Vers 49 und 55 und nun im Kap. 24 sind sie es, die handeln und sich auf die Suche machen. Erst in Kap. 24. Vers 10 werden zumindest 3 Frauen mit Namen benannt. „Weil jedes Zeugnis auf 2er oder 3er Zeugen Mund begründet sein muss!“

Sie suchen den toten Jesus bei den Toten, wo sonst. Haben sie doch mit eigenen Augen sein Sterben mit erlebt und mit gelitten.

Aber wie schon so oft zur Lebzeit Jesu geraten die Dinge außer Kontrolle. Engelpersonen stehen am Grab, Engelmund stellt diese  Frage: Wie sollte der Lebende bei den Toten zu finden sein? Und es sind diese Engel, die die Auferstehung des Christus Gottes bezeugen und verkündigen. Jesus Christus ist nicht hier im Grab, ER ist auferstanden! Unfassbar, ungeheuerlich, unglaublich!

„Denkt an seine Worte, er hat doch immer davon gesprochen, er müsse leiden und sterben und am dritten Tage auferstehen.“ Die Frauen erinnern sich an Jesu Wort  und haben ein gutes Gedächtnis und berichten deshalb voller Überzeugung: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Aber die „Männergesellschaft“ der verzagten Jünger glaubt nicht, halten das „Frauengeschwätz“ für Märchen (V. 11)

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu hatte es von Anfang an schwer. Aber sie ist wohl auch die bestbezeugteste „Unglaublichkeit“ der Welt. Im Sinne von unglaublich aber wahr und dann doch von sehr vielen Frauen und Männern bezeugt und gesehen, und berührt und betastet. Und ich denke, den Tod kennen wir alle, aber in Jesus begegnet uns der Lebendige und richtet sein lebenspendendes Wort an uns, an alle. Das Wort des Lebens fordert uns zum Glauben heraus, der Auferstandene allein entzündet Hoffnung für Menschheit und Schöpfung.

So lade ich Sie/euch ein mit einzustimmen in das was die Christenheit seit Jahrhunderten von Jesus bekennt: ...gekreuzigt, gestorben und begraben, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes des Vaters...

Um das und vieles mehr zu feiern, lade ich Sie/euch herzlich ein, sei es zu unserem Frühlingsgottesdienst oder Karfreitag und Ostern mit anschließendem Brunch oder einfach so, an einem anderen Tag.

Wir feiern das Leben und den Lebendigen!

 

Ihr/euer Volker Sturm

Schüttet euer Herz vor Gott aus.

Psalm 62,9

 

Von Herzen gesagt

Es gibt  viele tolle Redewendungen  rund  um  das  menschliche  Herz. Aussagekräftig  und   enorm bildhaft. Da kann einem wirklich „das Herz aufgehen“. Wie gut ist es doch, wenn einem „ein Stein vom Herzen fällt“, man „seinem Herzen Luft machen“ kann oder man Menschen trifft, die „ein großes Herz haben“. Schön, wenn man seine große Liebe „an sein Herz drücken“, ihr „das Herz zu Füßen legen“ und sie „im Herzen tragen“ kann.

Wortwörtlich sollte man die Redewendungen mit Herz allerdings nicht nehmen. Man stelle sich nur einmal vor, jemand, der „ein Herz aus Gold“ hat, hätte wirklich ein Herz aus Gold. Und jemand der „sein Herz verschenkt“, müsste ohne Herz weiterleben. Wo kämen wir hin, wenn man „sein Herz in beide Hände nehmen“ oder dem anderen „das Herz stehlen“ könnte. Gut zu wissen: Auch wer „sein Herz verliert“, hat noch ein Herz. Genauso wie jene, die „kein Herz haben“.

Auch bei denen, die „ihr Herz auf der Zunge tragen“, klopft es im Brustkorb. Und auch die, denen „das Herz in die Hose gerutscht“ ist, werden biologisch „das Herz am richtigen Fleck“ haben.

Auch die Bibel ist voll bildhafter Aussagen über unser Herz. Sie spricht von reinen, guten und verständigen   Herzen;   von   verstockten,   verzagten   und   verhärteten   Herzen,   genauso   wie   von fröhlichen, weisen und mutigen Herzen. 902 Treffer hat die Suche nach „Herz“ in meiner Lutherbibel ergeben.

 

Ein neues Herz sich schenken lassen

Der Gott der Bibel sieht uns ins Herz und hat uns trotzdem in sein Herz geschlossen.

„Es drehte ihm das Herz um“, heißt es öfter von Jesus, wenn er die Not und Verlorenheit der Menschen sah. Und mir geht es zu Herzen wenn ich lese:

Gott kann harte Herzen, an denen die Not anderer abprallt, erweichen.

Gott kann versteinerte Herzen, die zu keinem Mitgefühl fähig sind, barmherzig für das Leid der anderen machen.

Gott kann kalte Herzen, die nichts von den Sorgen anderer wissen wollen, warmherzig und hilfsbereit machen.

Der Gott der Bibel kann und will uns ein neues Herz schenken. Das kann nur er.

 

Eine der für mich schönsten Herz-Aussagen der Bibel stammt aus einem der Lieder des Königs David: „Schüttet euer Herz vor Gott aus“ (Psalm 62,9). Dieses Angebot ist zum Glück auch heute aktuell. Niemand muss „aus seinem Herzen eine Mördergrube machen“. Jeder ist eingeladen, alles, was er auf dem Herzen hat und was ihm das Herz schwer macht, vor Gott auszusprechen. Jeder darf sich alle Zweifel, Ängste, Schuld und  Not vom Herzen reden. Wer das tut, kann getrost und mit leichtem Herzen weitergehen. Paul Gerhardt ist mir zum Vorbild geworden. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges singt er – nicht wie Jürgen von der Lippe: „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da...“. Sicher hatte er mehr als genug davon. Vielmehr ruft er dazu auf: „Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorge „Gute Nacht“. Lass fahren was dein Herze betrübt und traurig macht“.

 

Wer der Einladung Gottes Folge leistet, und ihm das Herz öffnet, dem fällt nicht nur ein Stein vom Herzen.

 

Ernst Günter Wenzler
Aus „Augenblick mal“, Brunnen-Verlag

Als jene ganze Generation zu ihren Vorfahren versammelt worden war, kam nach ihnen eine andere Generation, die weder vom HERRN wusste, noch von dem Werk, das er für Israel getan hatte.

Richter 2,10

 

Gott, der Herr, mache uns wieder anfällig für seine Geschichte, die nicht von dieser Welt ist, nicht erklärbar, keine Diskussionen braucht. Und uns doch tröstet, hoffen lässt, Mut macht, frohgemut macht. Und alles in allem Kraft gibt und uns Zuversicht schenkt.

(Hanns Dieter Hüsch)

 

Erstaunlich! Wie kann so etwas sein? Wenige Jahrzehnte später geraten die großen Machttaten Gottes, die er zur Befreiung seines Volkes aus der Sklavenherrschaft und Tyrannei Ägyptens vollbracht hatte, in Vergessenheit. All die großen Wunder – die machtvolle Zuwendung – die wörtlichen Offenbarungen - alles vergessen!? Gott hatte so viel für die Menschen getan, so wunderbar gehandelt und gesprochen. Ja, sogar alles aufschreiben lassen. Die Thora, die fünf Bücher Mose, dokumentieren Gottes heilvolles Tun an den Menschen. Kein Interesse, keine Zeit, keine Lust, immer die alten Geschichten...

 

Mag sein, dass die Kinder, Enkelkinder nicht mehr davon hören wollten. Realistischer erscheint mir aber die Vermutung, dass zu viele aufgehört haben „zu erzählen“. Wenn Väter/Mütter, Großväter/Großmütter schweigen und nicht mehr erzählen, was Gott alles Großartiges, manchmal vielleicht auch „Furchtbares“, in ihrem Leben getan hat, dann entsteht eine große Vergessenheit, Leere und Gefahr. Deshalb beeindruckt mich die Überzeugungsaussage von Hanns Dieter Hüsch fast noch mehr, als der Bibeltext. Super!!!

 

Ja, die Geschichte Gottes ist nicht von dieser Welt. Auch die Spuren und Geschichten, die ER in deinem und meinem Leben hinterlässt und wirkt, sind nicht von dieser Welt. Gott wirkt mächtig und zärtlich zugleich und gibt Mut, Hoffnung, Trost und Freude. Lasst uns jeden Tag unsere Welt mit Seiner Welt verbinden, Ihm vertrauen und davon reden.

 

Besonders in der Familie, aber auch laut in der Gesellschaft. Das erscheint mir heute nötiger denn je, damit nicht Terror und Wut Besitz ergreifen von den Bürgern und nicht die Menschenverachtung siegt.

 

Wenn die Menschen an den Feiertagen im November an den Gräbern der Verstorbenen stehen, brauchen sie keine Diskussionen, sondern Lebenszuversicht. Und wenn wir im Kerzenschein und behüteter Atmosphäre das Kind in der Krippe zu Weihnachten besuchen, dann brauchen wir nicht noch etwas mehr Romantik, sondern diesen Funken Hoffnung: „Ich bin nicht mehr allein!“

 

Ich wünsche Ihnen / euch eine gesegnete Zeit im November und im Advent!

Ihr/Euer Volker Sturm

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte!

Jeremia 31,3
Monatsspruch September 2016

 

Der befreiende Vertrag

„Kommt und dingt mich“, rief ich, als ich des Morgens auf der steingepflasterten Straße ging. Das Schwert in der Hand, kam der König in seinem Wagen und sagte: „Ich will dich dingen mit meiner Macht!“ Aber seine Macht war mir nichts wert, und er fuhr davon in seinem Wagen.

In der Hitze des Mittags standen die Häuser mit geschlossenen Türen da. Ich wanderte die krumme Gasse entlang. Ein alter Mann kam heraus mit seinem Sack voll Gold. Er sann nach und sagte: „Ich will dich dingen mit meinem Geld!“ Er wog seine Münzen, eine nach der anderen, aber ich wandte mich fort.

Abend war's. Die Gartenhecke stand ganz in Blüte. Das liebliche Mädchen kam heraus und sagte: „Ich will dich dingen mit meinem Lächeln!“ Ihr Lächeln verblasste und schmolz in Tränen, und sie ging zurück allein ins Dunkel. Die Sonne glitzerte auf dem Sande, und die Meereswellen trieben ihr launisches Spiel. Ein Kind saß da, mit Muscheln spielend. Es hob seinen Kopf und schien mich zu kennen und sagte: „Ich ding dich mit nichts!“

Und dieser Vertrag, im kindlichen Spiel geschlossen, hat mich fortan zum freien Menschen gemacht. (Rabindranath Tagore)

Gott will uns nicht dingen, sondern freien. Bei ihm werden wir nicht verdinglicht, also zur Sache und Funktion gemacht, sondern als Personen und persönliche Gegenüber, als Freunde und Geliebte wertgeschätzt. Gott möchte uns in seiner Liebe freimachen von allen anderen Diktaten, der Macht der Sünde, der List des Teufels, den Netzen des Verderbens, der Gewalt des Todes, den Schrecken der Vergänglichkeit, der Angst vor dem Weniger und der Gier nach Mehr. Gott möchte uns aus tiefer Verkrampfung und bitterer Verlorenheit auslösen und zugleich tröstend und bergend, schützend und schonend festhalten. Gott löst uns aus dem Verderben aus und bindet uns in seine Treue ein. Das ist das Geheimnis der Freiheit: Kindlich abhängig von Gott und königlich frei von allen anderen Zwängen. In dieses Geheimnis in dieses Heim und Haus lädt Gott uns ein. Er möchte mit uns den befreienden Vertrag der Liebe schließen, und wir sollten ihn bitten „Komm und freie mich mit deiner unbedingten Liebe!“

„Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte!“ (Jeremia 31,3)

aus: Axel Kühner „Hoffen wir das Beste“

Der HERR gab zur Antwort:
Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.

2. Mose 33,19
Monatsspruch Juli​

 

Wenn Frau vorüber geht, kommt es vor, dass Mann sich den Kopf verdreht. Das kann passieren.

Ungewöhnlich hört es sich an, dass der ewige Gott an Mose vorüber gehen will, damit dieser Gottes Schönheit - sein gütiges Wesen - seine gnädige Ausstrahlung, wahrnehmen kann. Zwischen Gott, dem Unsichtbaren, und Mose, dem Führer des Volkes Israel, war aus einer Freundschaft eine tiefe Beziehung geworden. Eine Beziehung, die wohl zu Recht nur mit Liebe beschrieben und benannt werden kann.

Zwar lag eine echte Katastrophe hinter Mose und dem ungehorsamen und abtrünnigen Volk Israel. Und beinahe wäre das Aus für dieses Volk geschehen. Aber Mose hatte für die Gemeinde Israel alles in die Waagschale gelegt und man könnte sagen: Gott „überredet“, auch weiterhin der Gott Israels zu sein.

 

Es ist schon etwas Seltenes um die Schönheit und Güte Gottes. Bei uns Menschen genügen weitaus kleinere und geringfügige Verirrungen, um Beziehungen für immer oder sehr lange Zeit zu zerstören.

Gottes Schönheit besteht auch in seiner Ausdauer und Treue. Mich beeindruckt der Dialog in diesem 33. und 34. Kapitel im 2. Buch Mose: Nachlesenswert!

Dieses Gespräch gipfelt darin, dass Gott sich selbst noch einmal mit einem ganz neuen Namen vorstellt. Wer ER ist, wie ER ist und wie ER immer sein wird:

Vers 19 b: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
Und Kap. 34,6b: HERR, Ewiger, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue...

 

Gottes Name ist Programm, Zusage und Halt für uns Menschen, wahrhaft und souverän. Mose konnte und durfte damals Gott nur hinterher sehen, in Jesus Christus hat ER uns sein Angesicht zugewendet, so dass Gnade und Erbarmen und seine Schönheit eine Gestalt gewonnen haben. In Jesus sehen wir das Angesicht unseres Vaters im Himmel und feiern IHN in unseren Gottesdiensten und auch im Alltag.

 

In diesem Sinne wünsche ich schöne Ferien und gute Erholung.

 

Euer Volker Sturm

Gott, segne mich und behüte mich,
Gott, lasse leuchten dein Angesicht über mir und sei mir gnädig,
Gott, erhebe dein Angesicht auf mich und schenke mir Frieden.

Nach 4. Mose 6,22-27

 

Vor ein paar Wochen las ich zum ersten Mal diesen bekannten Vers, der nur ganz wenig verändert aufgeschrieben war. Der aaronitische Segen war damals für Gottes Volk Israel ein ganz neuer und starker Zuspruch. Der Ewige und bisher unsichtbare Gott wurde persönlich und ein Gegenüber. In seinem Namen – Jawe – handelte und wirkte Mose an und für Israel. Und im Namen Jawe's wurde nun das Volk, immer wieder durch Aaron, unter den Segen Gottes gestellt.

Die Aufforderung, für uns Menschen heute, die ich unter diesem so bekannten Segenszuspruch las, lautete: „Einen Segen kann man sich auch selbst zusprechen. Versuchen Sie es doch einmal!“.

Das hat mich herausgefordert und seitdem probiere ich das immer wieder. Am Schluss meiner Gebetszeiten spreche ich mir selbst immer wieder mal Gottes uralte Segensverheißung zu.

Sich selbst oder andere zu segnen, bedeutet ja nie, dass ich einen eigenen Vorrat an Schutz und Gnade und Frieden hätte.

Vielmehr bedeutet segnen: Ich stelle mich in Beziehung zu Gott, verbinde mich im Vertrauen auf seine Größe, Güte und Liebe mit IHM. Erbitte, dass ER, den ich nicht sehe und der frei ist von allen Zwängen, mich anschaut, zu mir in mein Leben, meine Enge, meine Vergänglichkeit kommt und mich segnet.

Zu sehr sehne ich mich nach seinem Schutz, seiner grundlosen Güte, grenzenlosen Gnade und seinem nicht endenden Frieden, als dass ich diesen Segen immer nur anderen Menschen zusprechen möchte. Es ist eine gute Erfahrung, wenn auch noch ungewohnt: Sich selbst zu segnen.

Gott, segne mich und behüte mich,

Gott, lasse leuchten dein Angesicht über mir und sei mir gnädig,

Gott, erhebe dein Angesicht auf mich und schenke mir Frieden.

 

In diesem Sinne, bleibt behütet!

Euer Volker Sturm